Zum Wahlausgang des Türkei Referendums

18.04.2017

"Ich finde es enttäuschend, dass die Mehrheit der bei uns lebenden Türken, welche wählen durften, der nationalistischen Propaganda-Maschinerie des Präsidenten erlegen sind. Mit ihrem Kreuz für die Schaffung eines politisches System in der Türkei stimmten sie im Gegensatz zu der von ihnen hier gewohnten Freiheit und Meinungsvielfalt.
Die jetzt laut werdenden Rufe nach einer 'Verbannung der Türkei' sind gleichwohl vorschnell. Sie würde die Hälfte der türkischen Gesellschaft isolieren, welche (vor allem dort lebend) mutig gegen den Systemwechsel stimmten. Unsere Politik muss jetzt darauf gerichtet sein, die Verantwortlichen in der Türkei in ihrer Eigenschaft als Bündnis- und Vertragspartner nicht aus ihrer politischen Verantwortung zu entlassen.
Die hörbaren Forderungen nach einer Nichtaufnahme der Türkei in die EU erstaunen, wenn sie an unsere Kanzlerin gerichtet sind. Dies insofern, als sie oft aus dem Munde derjenigen kommen, welche stets einen schnellere Aufnahme in die EU forderten. Es war allein die Union, die stets das Modell einer 'besonderen Partnerschaft' dagegenstellte.
Das zukünftige Verhältnis zwischen EU und Türkei muss jetzt klug und gemeinsam in Brüssel überdacht und dann auch geschlossen umgesetzt werden.
Wahlkampfpolitisch motivierte Schnellschüsse dienen niemandem: weder in der Türkei, noch in Europa noch in der Region, welche gerade lichterloh 'in Flammen' steht....."